Von Anna Beeck über The other face of the moon

5 Fragen an den Autor Jalal Mando

 

1.Welche Geschichte steckt hinter dem Titel des Stücks

„The other face of the moon“?

Ich bin vor einem Jahr aus Syrien nach Deutschland gekommen. Als ich in der Türkei auf das kleine Boot gewartet habe, das mich nach Europa bringen sollte, war es sehr dunkel. Der Mond schien voll und ich habe mich gefragt, wie es ist, den Mond von der anderen Seite des Meeres aus zu sehen. Wie sieht der Mond aus, ohne die Angst? Wie sieht er aus, ohne den Krieg?

 

2. Vor deiner Flucht warst du zwei Jahre in einem Gefängnis von Baschar al-Assad. Wie hast du es geschafft zu entkommen?

Ich habe mich freigekauft. Man hat mich festgenommen, weil ich Filmaufnahmen von der Revolution gemacht habe. Das Militärgefängnis ist die Hölle. Menschen werden gefoltert und getötet. In diesem Moment wird jemand in dem gleichen Gefängnis sterben und ich möchte, dass die Menschen davon erfahren.

 

3. Wie hat sich der Amtsantritt von Baschar al Assad auf Syrien ausgewirkt und was wolltet ihr mit der Revolution verändern?

Als Baschar al-Assad im Jahr 2000 die Nachfolge seines Vaters Hafiz al Assad antrat... das ist eine lange Geschichte. Ein Tag nachdem sein Vater starb, wurde die Verfassung geändert, damit Baschar überhaupt Präsident werden konnte. Dann versprach er allen eine Weiterentwicklung des Landes und Reformen. Was in Wirklichkeit geschah, waren jedoch mehr Verhaftungen und Korruption auf ganzer Linie. Die Revolution begann also, um es kurz zu fassen, weil die Menschen nicht mehr frei waren und sich nach Gerechtigkeit sehnten.

 

4. Im Stück sprichst du von einer sterbenden Stadt. Hast du dabei an eine bestimmte Stadt gedacht?

Ja, ich komme aus Homs, der „Stadt der Freude“. Hier waren die Straßen immer belebt, die Leute hatten Spaß, waren fröhlich. Aber Assad hat diese Stadt getötet. Jetzt ist Homs wie eine welke Rose, und die Menschen dieser Stadt sind die welken Blätter, die von der Pflanze fallen, bis die Pflanze kein Leben mehr hat. Ich würde sagen, Homs ist tot.

 

5. Ist die Revolution für dich auch gestorben?

Ich glaube, eine Revolution stirbt nicht. Das Ziel einer Revolution ist die Veränderung, die Zerschlagung von Ängsten. Die Revolution in Syrien hat das Land verändert.

Wenn wir an den Demonstrationen teilnahmen, taten wir das für ein besseres Leben. Wir dachten nicht über Krieg nach, oder die vielen Morde - niemand hat sich das gewünscht. Die Revolution gab uns Luft, dort, wo wir keine Luft mehr zum Atmen hatten. Wir gingen wir auf die Straße, um uns Luft zu machen. Wir wollten, dass Syrien wieder lebt. Aber Bashar al Assad bestand darauf, dieses neue Leben im Keim zu ersticken.

Aus diesem Grund suchen viele Menschen im Ausland nach einer Zukunft. Andere wollen bleiben und kämpfen aus eigener Überzeugung gegen den Diktator für ihr Land.

Als Syrer, glaube ich an diese Revolution und ich habe Hoffnung, dass sie letztendlich zu etwas Gutem führen wird, denn das Hauptziel einer Revolution waren und sind die daraus neu erwachsenen Möglichkeiten.